Reisebericht Pécs 06.-09.08.09
Nach November 2007 und ein Jahr vor dem großen Event wurde es Zeit, unsere Partnerschaft mit den Pécser Pfadfindern auf ein breiteres Fundament zu stellen.
Nach einigen Ausfällen im Team sind Melanie Kemner, Björn Krause und Rolf Limpinsel dann am Donnerstag den 06. mit dem Büroauto abends aufgebrochen, um dann gen Ungarn zu fahren.
Wir waren voller Erwartungen und wurden nicht eine Sekunde enttäuscht.
Auf dem Programm standen einige viel versprechende Ereignisse. Neben den Treffen mit Laszlo (Diözesanvorstand) und Esther (Stammesleitung), die wir schon vom letzten Mal kannten und auf die wir uns sehr freuten, konnten neue Bekanntschaften geknüpft. Sowohl Treffen mit Funktionsträgern als auch Leitern, der Besuch eines Ausbildungslagers und weitere kulturelle Höhepunkte standen auf dem Programm.Unser erster Weg führte uns am Freitagmittag gegen 12 Uhr nach langer Fahrt zu den Wiemelhausener Pfadfindern (Bochum), die ihr dreiwöchiges Lager in der Nähe von Pécs aufgeschlagen hatten. Den Platz hatten Sie von Esther vermittelt bekommen und auch wenn keine ungarische Gruppe mit teilnahm, Berührungspunkte gab es auf dem Hike genügend. Es zeigte sich aber auf der Suche nach den Zelten der Bochumer schon ein anderes Gesicht Ungarns. Die Dörfer und die Menschen außerhalb der Städte leben noch in einer anderen Zeit, oder zumindest mit anderen Standards. Wasser vom Brunnen, Schotterpisten, neugierige Blicke der mitlaufenden Kinder, wenn unser Auto an den verlassenen Wegen entlang fuhr. Letztendlich hatten wir uns verfahren, aber das sind ja die aufschlussreichsten Wege. Die Wiemelhausener waren ihrerseits gute Gastgeber und so verließen wir sie erst nach einer guten langen Pause in Richtung Pécs. Auf der Rückfahrt kamen wir noch einmal vorbei, konnten Pfadis und Rover vom ruhrjamb.2010 überzeugen und spielten leider auch Krankentransport für ein kaputtes Knie (samt Roverin).
Unsere Jugendherberge kam uns eher vor wie eine große WG. Der Besitzer wohnte in der geräumigen Wohnung, es war gepflegt und sauber, die farbigen hohen Altbauwände, ein üppig bepflanzter Jugendstilbalkon, ein Graffititreppenhaus, der Zugang über einen etwas kargen, schattigen Hof, Doppelbetten, kleine Küche, liebevoller Gastgeber, WLAN u.s.w. machten uns direkt sehr zu frieden -> Umziehen und zum ersten Termin.
Was ziehen wir an, war wohl eine der meistgestellten Fragen. Hitze! Kluft? Motto-T-Shirt? Nur Tuch? Letztendlich waren wir froh, dass unsere Gastgeber eher zivil und damit die warmen Kluften eher in den Schränken bleiben konnten.
Die Treffen für Gespräche und Kennen lernen:
Dazu zählten am Freitagabend ein Essen mit Laszlo, Robi und Esther, am Samstag ein Mittagessen mit Laszlos Schwester, ein Kaffee mit Laszlo und seiner Familien, wieder ein Abendessen mit einer Leiterin aus dem Ort und am Sonntag ein Ausflug zum Fernsehturm mit Robi und Esther.
Jedes Treffen hatte seine eigenen Themen und je länger wir sprachen, desto konkreter wurden diese natürlich. Während mit Laszlo oft die genaue Zusammenarbeit, das Lager und konzeptionelle Unterschiede der Pfadfinder ein Thema waren, waren ideologische und pfadfinderalltäglich Themen mit Robi und Esther wichtig. Mit der einen Leiterin war es gut sich mit jemander zu unterhalten, die wissen will wie sie ganz real ihre Kinder motivieren kann und welche Unwägbarkeiten im Kleinen zu regeln sind.
Da haben wir über das Ausbildungskonzept gesprochen, über geschichtliche Hintergründe (die Pfadfinder dort werden in die altkommunistische militante Ecke gedrängt, auch von der Presse, obwohl gerade die junge Generation sich deutlich davon distanziert – ich sehe da schon Parallelen), über Leiter- und Altersstruktur (ab 14 wird man dort z. B. schon ausgebildet 10er Gruppen zu leiten), über Personalnöte (wie bei uns gehen viele zum Studium weg oder die Eltern sind zu ängstlich bei der Lagerteilnahme...), über Disziplin und Alkohol, über interne demokratische Wahlverfahren (ähnlich wie bei uns), über finanziellen Background, über soziale Schichten innerhalb der Pfadfinder und vieles mehr.
Wir waren wirklich aneinander interessiert und ich glaube schon, dass sich eine Verbundenheit eingestellt hat, die die Zusammenarbeit auf eine gute Basis stellt. Zumindest haben wir es auch geschafft den offiziellen Charakter einer solchen Begegnung mit den Unsicherheiten wie „mach ich jetzt den Pfadfindergruß“, „Was ziehe ich an“, „was erwarten die von mir“, mal hinter uns zu lassen. Das machte sich auch in den Gastgebergeschenken deutlich. Robi hatte am ersten Abend gut aufgepasst, als wir über die schönen Pécser Pilsener Bierkrüge gesprochen haben und hat uns diese besorgt. Da konnten wir mit unseren eher unpersönlichen, zwar nicht mit weniger Liebe, aber eher merchandising-ähnlichen Geschenken (ruhrjamb.2010-T-Shirt, RUHR.2010-Schokolade und internationales Halstuch) kaum mithalten.
Der „offiziellste“ Termin war wohl der Besuch eines Ausbildungslagers in der Nähe von Pécs. 25 Teilnehmer zwischen 14 und 18 Jahren und ca. 15 Anleiter für die verschiedensten, fast stundenplanmäßig aufgeteilten Themen (Volkslieder beibringen, Knoten beibringen, Spiele spielen). Die Teilnehmer hatten Vorlesungen, Praxisteile mit Kindergruppen, (die extra dafür zu Besuch kamen) und Planung, Durchführung bzw. Reflektion einer Gruppenstunden auf dem Programm.
Offiziellen Charakter bekam es, weil Laszlo und Robi als Diözesanvorsitzende ebenfalls dabei waren. Alle hatten, wie später erfahren aufgrund des Besuches, Kluft an, es wurde „still gestanden“, als wir herantraten, alle waren sehr leise. Wir konnten dort das Projekt vorstellen und auch Fragen beantworten, bevor wir mit einigen Leitern (die meisten zwischen 18 und 25) ins persönliche Gespräch gingen, den Zeltplatz zwischen den Bäumen besuchten oder uns detaillierter Austauschten.
Auch in dem Ausbildungslager wurde schnell deutlich: sobald man auf persönlicher Ebene sprach:
So unterschiedlich sind wir nicht.
Ich hatte Gelegenheit u.a. mit Adam zu sprechen. Ein 19jähriger Leiter, der schon ein Jahr in Boston einen Schulaustausch gemacht hat, der fasziniert war von Dingen, die ältere Leiter vor ihnen gebaut hatten (Tierhauttrommel, Peitsche, Speere, Bogen) und wo sich schnell zeigte, dass man einen gemeinsamen „Spieltrieb“ unterhielt ;-). Wir waren beide sehr interessiert und unterhielten uns sicher eine Stunde.
Wir hatten auch zu dritt viel Spaß und genossen die Stadt mit ihrem Flair vor allem morgens beim Frühstück in den kleinen Cafés. Die Café- und Restaurantkultur in den schönen Altbaugassen ist unbeschreiblich. Höhepunkt war aber sicherlich das kostenlose Konzert von Placido Domingo auf dem Domplatz der Stadt. Unter Sternenhimmel, bei lauer Nachtwärme und mit 20000 Pécsern lauschten wir einem Mix aus verschiedensten Opern. Jetzt sind wir nicht die typischen Operngänger, aber es ist schon etwas Einmaliges.
Sonntag ging es dann gleich wieder zurück. Schade, mal wieder viel zu kurz. Aber es hat sich gelohnt. Wir haben nicht nur konkrete Fragen, Anregungen und sogar Teilnehmer mitnehmen können, sondern ich glaube genau das gelebt, was verbindliche aber ungezwungene internationale Begegnung ausmacht, die man aktiv mitgestaltet: fremde Kultur gezeigt bekommen, aber auch alleine erleben dürfen, eine andere Pfadfinderkultur- und Struktur erklärt bekommen aber eben auch erfahren dürfen, offizielle Gespräche geführt, wie persönlichen Austausch gehabt, sowohl mit „Funktionären“ als auch mit dem „normalen“ Leiter.
Partnerschaft ist etwas aktives, was man bei aller Skeptik und verklemmten Gelegenheiten (die es immer geben wird) auf einer gemeinsamen Basis zu fruchtbarem Austausch führen kann. Ich würde fast sagen: immer.
In diesem Sinne haben wir weitere Einladungen ausgesprochen und auch bekommen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass im Frühjahr 2010 Vertreter der Ungarn zur move it IV Veranstaltung schaffen und, dass noch einmal eine Vertretung aus Essen nach Pécs fährt. Dort sollen wir das Projekt im Rahmen eines Presse- und Öffentlichkeitstages der ungarischen Pfadfinder vorstellen. Zum ruhrjamb.2010 erwarten wir zahlreichen Besuch, und damit Möglichkeiten der Partnerschaften, aus Pécs und Umgebung. Da 2010 jedoch Polen, Tschechien, Slowenien, Ungarn und die Slowakei ebenfalls ein gemeinsames Großzeltlager in Ungarn planen werden die Gäste „nur“ in der zweiten Hälfe des Lagers teilnehmen können. Wir freuen uns aber über diese „Lösung“. Wir wollen ja keine Konkurrenz sein, sondern ein weiterer Baustein der innereuropäischen Verständigung.
Für die Reisegruppe
Rolf
*Reisebericht Pécs (Ungarn)*
Zum Anfang
Pécs und Istanbul sind ebenso wie die Ruhrmetropole*,* Kulturhauptstädte
2010 und zählen somit zu den offiziellen Partnerstädten unter dem
Leitprojekt TWINS2010. Eine enge Zusammenarbeit der drei
Kulturhauptstadtbüros hat sich in den letzten Monaten mit Blick auf 2010
ergeben.
Die DPSG Essen, bzw. das Team von Move to 10 braucht und möchte
ebenfalls Partnerschaften eingehen und hat sich einen engen Austausch
mit den Pfadfindern in Pécs und Istanbul vorgenommen und möchte auch
Stämme und Gruppen dazu animieren besonders hier Partnerschaften zu knüpfen.
Fahrt durch die Nacht
Nach einiger Vorbereitung und trotz vager Vorstellung der Stadt, der
Kontakte vor Ort und der Anstrengung der *Fahrt* (ganz gut so) fuhren
wir zu fünft am Donnerstag den 29.11.07 um 19 Uhr am Diözesanbüro ab.
Der geliehene Vito hatte genügend Platz für Mela, Moni, Rotti, Rolf und
Matthes. Letzterer ist "noch" kein Pfadfinder aber für unsere Reise eine
große Bereicherung. Nicht nur, dass er uns über seine, in Pécs
studierende Freundin Greta eine mehr als angenehme Unterkunft besorgte,
er ist ebenfalls ein vorzüglicher Wegbegleiter.
Unsere Fahrt im Schichtwechsel führte uns über Frankfurt und Führt nach
Passau, wo wir die Grenze nach Österreich passierten und korrekterweise
eine Vignette kauften. Es ging weiter nach Wien, Budapest (wo wir keine
Vignette kauften) und dann auf ausreichend neu ausgebauten Landstraßen
nach Pécs. Pécs liegt ca. 1400 km entfernt im Süden Ungarns, 60 km
nördlich der kroatischen Grenze. Schon bei der Einfahrt in die Stadt
waren unsere Eindrücke ebenso überwältigt von den historischen Gebäuden
und der schönen alten Bausubstanz wie etwas erschrocken, da die meisten
Fassaden doch unter akutem Putzmangel litten und sich die Farben der
Häuser und Straßen mit dem anfänglich diesigem Wetter eine grau in graue
Schlacht boten. Neben Freitag, an dem wir nach 17 Stunden Fahrt um ca.
12 Uhr ankamen, war der Sonntag bei der Abreise ebenso regnerisch trübe.
Der Samstag schien uns aber mehr bieten zu wollen und zeigte sich in
einem schönen winterlichen hellblau.
Freitag: Sightsseing auf eigene Faust, Nightlife
*Den Freitag *hatten wir noch gänzlich offen und nutzten die ersten
Stunden zur Ruhe, bevor wir dann den Nachmittag mit den ersten
touristischen Wegen füllten. Neben dem Dom (ein Nachbau des Bamberger
Doms wie wir, neben unendlich viel anderen Informationen, von der netten
alten Domführerin in Deutsch erfuhren), besichtigten wir eine kleine
Grabkammer und eroberten die Kaffeehäuser der Stadt. Diese waren zum
Großteil im selben Loungecharakter wie die in jeder deutschen Stadt. Wir
gingen italienisch Essen und ließen uns, trotz Müdigkeit, von unseren
Beherbergern in das Nachtleben überreden. Leider geht, wie bei uns, das
Nachtleben erst gegen 1-2 Uhr los, so dass wir in der Diskothek mit
einer Wochenendausflüglerhorde betrunkener Bayern die Sitze für die
nachkommenden anwärmten. Unserer Laune tat das alles keinen Abbruch.
Tanzen ist sowieso unkommunikativ.
Wir hatten auch schon ersten zufälligen Kontakt mit Pfadfindern. Diese
kamen, bei einem unserer vielen Kaffees, am Fenster vorbei, worauf wir
ziemlich planlos die überforderten Jungs (~16 Jahre) auf englisch
ansprachen. Wir bezweifeln, dass, außer dem Eindruck, dass deutsche
Pfadfinder in Pécs sind und ziemlich wirres Zeug in gebrochenem Englisch
reden, weiteres hängen blieb.
Samstag: Treffen mit den Pfadfindern und Kulturhauptstadtbürovertreter
Der *Samstag* hatte einen Plan. Wir konnten zwei Termine verbuchen.
Nämlich um 16 Uhr mit einem Mitarbeiter aus dem Kulturhauptstadtbüro in
Pécs, Tamás Szalay, und mit den Pécser Pfadfindern im Kaffee Dante um 18
Uhr. Mehr wussten wir da noch nicht. Das Kaffee Dante hingegen kannten
wir dann schon, denn auch Tamás führte uns dorthin. Bis dahin
verbrachten wir Zeit in der Stadt: Weihnachtsmarkt, Shopping-Center, ein
paar Sehenswürdigkeiten (Synagoge, alte Moschee usw.). Das Gespräch mit
Tamás war sehr angenehm und inspirierend für beide Seiten. Tamás ist ein
aufgeschlossener Enddreißiger. Wir stellten unser Projekt vor und kamen
schnell auf die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit der beiden Bistümer
und Pfadfinderverbände. Freundschaftlich gingen wir mit dem Versprechen,
dass beide Seiten möglichst viel (auch für den anderen) bewegen wollen,
auseinander. Unser Projekt wurde auch in Ungarn positiv aufgenommen.
Die Zwischenzeit nutzten wir zum Einkaufen, da wir für Sonntag und die
Rückfahrt eingedeckt sein wollten.
18 Uhr, Kaffee Dante. Die Spannung steigt und wir sitzen zu viert auf
einem Sofa, diesmal keine Lounge, eher ein Kulturkaffee -- sehr angenehm
individuell. Also vier Kluften auf der Couch, zwei Menschen betreten den
Raum, sehen uns, kommen auf uns zu und entschuldigen sich hektisch, dass
sie selbst keine Kluft tragen. Für uns natürlich halb so wild. Miklós
und Lászlo stellen sich als Vorstände (Finanzen und Vorsitz) vor. Den
direkten Gegenüber kennen wir also schon. Sehr sympathisch. Das Gespräch
hindurch wird klar, dass wir auf einer Wellenlänge liegen und deren
Arbeit untereinander ebenso ungezwungen ist wie bei uns. Im Folgenden
redeten wir ausführlich über unser Projekt, über Möglichkeiten des
Austausches, Fragen des Minimumalters eines Austausches, finanzielle
Mittel u.v.m. Dabei blieb nicht aus, dass wir unser gegenseitiges
Verständnis von Pfadfinderei, die Historie, die Organisationsstruktur
und Dinge wie Lagerkultur abglichen. Es gab Parallelen wie Unterschiede.
Wichtige Erkenntnisse waren u.a.: Das Bistum Pécs hat ca. 700
Pfadfinder, ganz Ungarn ca 10.000. Damit ist die Proportion zur
Gesamtbevölkerung ähnlich wie bei uns. Die Sommerlager finden meist
zehntägig, einmal im Jahr und immer woanders in der Natur statt. Die
Altersstufen sind ähnlich, allerdings begleitet ein Leiter die Gruppe
meist über die gesamten Jahre. Die finanzielle Ausstattung ist eher
mager. Es gibt nur im Bundesbüro in Budapest hauptamtliche Mitarbeiter.
Der Verband ist noch jung (1989) da auch hier, wie in der DDR, Verbände
verboten waren. Somit beruht ihre Arbeit noch eng auf den Büchern Baden
Powells, (da eine langjährige Erfahrung fehlt). Schwerpunkte ihrer
Arbeit ist die Natur, ein normaler Umgang mit nationalem Bewusstsein, da
auch in Ungarn schnell nationalistische Bezüge mit dem Tragen von Flagge
o.ä. gezogen werden, und ein stetiger Kampf gegen die oberflächliche
Konsumgesellschaft. Die Themen sind also nicht so weit von unseren
entfernt. Gut vorbereitet und nicht gerade behutsam übergaben wir
diverse Gastgeschenke. Unter anderem das Halstuch aller deutschen
Pfadfinderverbände und ein Move to 10 T-Shirt. Die Freude war groß.
Vorher konnten wir schon Eindruck machen mit unserem Flyer in
ungarischer Sprache. Zufrieden löste sich die Gruppe gegen 20 Uhr auf,
da familiäre Termine anstanden. Ein Treffen am Sonntag wurde nochmals
spontan verabredet.
Was uns betrifft, wir gingen entspannt und hoffnungsfroh ins nächste,
uns empfohlene ungarische Restaurant. Endlich wollten wir typisches
Essen probieren. Man riet uns von Gulasch ab. Es wurde dann Fleisch,
Fisch und einiges mehr auf eine sehr leckere und füllende Art. Wir
ließen einiges liegen -- es war einfach zu viel. Nach einer tollen
Aussicht über die Stadt von einer Terrasse eines Hotels aus, verloren
wir uns in einem Bier und liefen gemütlich nach Hause (ca. 20min). Schlafen!
Sonntag: Süße Verabschiedung und Rückfahrt
Der *Sonntag* fing mal wieder mit einem reichhaltigen Frühstück in
unserer "WG" an. Nach dem Tasche packen trafen wir uns um 10 Uhr mit
einer ungarischen Pfadfinderin: Esther. Sie sprach sehr gut deutsch und
wurde, trotz nächsttägiger Prüfung, von Lászlo als Fremdenführerin
eingespannt. Zwischen 10 und 11 Uhr besichtigten wir die riesigen
unterirdischen Grabstätten unterhalb des Doms, an denen wir die Tage
vorher so zielstrebig vorbeiliefen und uns fragten wo den jetzt das
Weltkulturerbe läge. Beeindruckend. Unsere Begleiterin wusste eigentlich
nur das wir deutsche Pfadfinder sind, also nutzen wir die Zeit der so
pflichtbewussten Leiterin von unserem Projekt zu erzählen und abermals
mit ein wenig Stolz als Dank ein Halstuch zu verschenken. Sie war
sichtlich gerührt. Noch jemanden überzeugt!
11 Uhr Lászlo kommt uns entgegen und hat sich freigeschaufelt. Mit ihm
fahren wir zu einen nahegelegenen Berg, den wir als dann zu einer
Aussichtplattform bestiegen. Etwas kleiner aber fast wie in guten alten
amerikanischen Filmen blickten wir auf Pécs hinunter und ließen uns
während der Gespräche den Wind um die Ohren blasen. Es macht schon
nachdenklich, wenn man Richtung Norden schaut und ahnt, dass 60 km
weiter und 15 Jahre zuvor ein Krieg tobte und man dort Raketen und
Granaten sah und hörte.
Ein Anruf und wir starteten zu Miklós der uns in einen
Insiderzuckerbäckerladen einlud. Sie waren sichtlich bemüht die vielen
Geschenke (zu) aufzuwiegen und wir konnten uns jeder ein Stück
aussuchen. Umwerfend. So was von lecker und vielschichtig. Die Auslage
umfasste den gesamten Laden und wir aßen dann jeweils vom anderen, um
nichts zu verpassen. Kalorien spielten nur für unsere Mägen eine Rolle.
Auch hier konnten wir uns noch einmal austauschen und wurde diesmal
etwas persönlicher und erzählten mehr von uns als Privatpersonen. Auch
dies fand ein Ende und wir mussten aufbrechen. Ein herzlicher Besuch mit
einem ebenso herzlichem Abschied.
Um 14 Uhr starteten wir gen Heimat. Ein kurzer Abstecher nach Budapest,
wo wir Mela zu einem kleinen Urlaub absetzten, verlängerte und versüßte
die Reise. Eine große Stadt! Nicht weniger lustig als die Hinfahrt
fuhren wir zurück und kamen gegen 4 Uhr in Essen an. Montag zur Arbeit
wurde wohl ein harter Brocken.
Als kleine Zusatzfreude entwickelten wir in Pécs eine Art Fetisch für
Graffitis, bzw. gut gemachte Piktogramme. In der Stadt fand man an
vielen Ecken sorgfältig aufgebrachte und designte Einzelstücke von
Tieren, Personen, abstrakten Darstellung u.v.m. Unser Blick schärfte
sich in der Zeit und nur unter Zwang konnten wir bei der Rückfahrt den
Drang an einigen Stellen stehen zu bleiben unterdrücken. Trotzdem ist
eine schöne Galerie entstanden von gut 15-20 Bildern. Natürlich neben
den anderen Fotos, die wir in der Galerie zur Besichtigung bereit stellen.
Fazit:
Wir wurden mal wieder belehrt, dass alle Skepsis gegenüber anderen,
selbst wenn es ins Blaue und so spontan ist, oder gerade dann,
überflüssig ist. Die Offenheit die wir mitbrachten wurde doppelt
zurückgegeben und unser Engagement gewürdigt und gespiegelt. Wir sind
sicher hier Freunde gefunden zu haben, die sich, trotz kleinerer
Widrigkeiten (eigenes Jamb mit Ungarn, Slowakei, Polen und Tschechien in
2010 und finanzieller Ressourcen), voll für unsere und für ihre Sache
einsetzen werden. Der Austausch steht auf bestmöglichen Füßen. Wir
freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen. Die Einladung auf die Move
it Veranstaltung 2008 ist ausgesprochen und wir sind sicher Miklós und
Lászlo dort zu sehen.