Stammeslager 2007
Die Vorbereitung
Unser Stamm Heinrich Seuse war nach dem ersten Besuch des Teams von „Move to 10” schnell entschlossen, sich an dieser Aktion sofort zu beteiligen. Unser Plan für ein Sommerlager 2007 stand schon und auch unser Ziel war mit Italien schon fest.
Unser Stavo Christoph kümmerte sich um die Suche nach einem Zeltplatz, während unsere Stavöse versuchte, Kontakte zu italienischen Pfadfindern aufzubauen. Der erste Teil stellte sich als etwas einfacher heraus und nach einiger Zeit hatten wir einen Zeltplatz in der Region Bergamo.
Italienische Pfadfinder zu kontaktieren, war dagegen nicht so einfach. Erst durch eine Suche im Internet auf Italienisch wurden mehrere Adressen gefunden und sofort per Mail und auch über das Telefon kontaktiert. Die meisten Anfragen blieben mehr als erfolglos. Auf die ganzen Mails (es dürften schon ca. 40 Stück gewesen sein) kamen zwei Antworten. Der eine Italiener ließ danach auch schon wieder nichts mehr von sich hören. Aber es war ein Glückstreffer darunter: Giovanni, ein Roverleiter aus Mailand, Stamm Legnano 1. Er hatte nur über Ecken von unserer Mail erfahren und war von der Aktion sofort begeistert. Eigentlich wollte er auch einen Zeltplatz in der Nahe von Mailand organisieren, jedoch schlug das fehl. So blieben wir bei unserem Zeltplatz in Monasterolo del Castello, der ca. 100 km von Mailand entfernt ist.
Giovanni bearbeitete in dieser Zeit seine Mitleiter und konnte uns dann kurz vor Reisestart versichern, dass er mit ein paar Leitern und zwei Rovern unser Lager besuchen würde.
Das Programm für die Zeit hatten wir per Mail und Telefon auch schon mit ihm abgesprochen und voller Spannung fuhren wir nach Italien.
Das Sommerlager (13.07.-27.07.2007)
Am 14.07. erreichten wir mit unserem Bus nach 15 Stunden Fahrt unseren Zeltplatz in Monasterolo del Castello.
Der Zeltplatz
Das Pfadfinderzentrum in Monasterolo del Castello (24069 Italien) befindet sich in der Provinz Bergamo im Val Cavallina am südlichen Ufer des Lago di Endine. Die Wiesenfläche wird auf der anderen Seite von der Verbindungsstraße Casazza-Monasterolo-Endine begrenzt.
Geführt wird der Zeltplatz von der M.A.S.C.I. (Movimento Adulti Scout Cattolici Italiani) und daher auch von Pfadfindergruppen besucht.
Der Platz ist wirklich sehr schön, vor allem, weil er direkt am See liegt. Im Hintergrund erstrecken sich dann die Ausläufer der Alpen – ein wirklich idyllischer Ausblick. Dass der Platz von der Verbindungsstraße begrenzt wird, hat uns erst Kopfzerbrechen bereitet – doch im Endeffekt haben wir noch nicht einmal bemerkt, ob und wann ein Bus an unserem Zeltplatz entlang gefahren ist.
Der einzige Nachteil des Platzes ist, dass der Zeltplatz sich auf einer öffentlichen Wiesenfläche befindet. Der Platz ist zwar abgezäunt, aber am Wochenende kommen die Italiener mit ihrem Grill und ihren Kindern und Hunden, um rund um den Zeltplatz ihr Wochenende zu genießen. Der Genuss für uns hielt sich in Grenzen, da wir uns des Öfteren mit den Italiener auseinandersetzen mussten.
Trotzdem ist der Zeltplatz einen Besuch allemal wert!
Die Ankunft
In den ersten drei (14.07. bis 16.07.) Tagen lebten wir gemeinsam auf dem Zeltplatz und erkundeten die nähere Umgebung. Außerdem stimmten wir uns auf die italienische Kultur ein, indem wir einen Pizzaofen bauten – er funktionierte zwar nicht wie geplant (unter anderem, weil wir auf dem Platz keine Löcher buddeln durften), aber Pizza aus dem Ofen gab es trotzdem.Die Hike-Phase
Vom 17.07. bis 21.07. fand dann unsere Hike-Phase statt, in der die jeweiligen Gruppen die weitere Umgebung erkundeten. Die Wölflinge und Jungpfadfinder waren am 17./18.07. unterwegs, die Rover vom 17.07. bis zum 20.07. und die Pfadfinder starteten am 18.07. abends bis zum 21.07. Diese sonderbare Aufteilung kam dadurch zustande, dass wir jeder Gruppe sowohl einen Leiter als auch eine Leiterin zusichern wollten.
Während die Wölflinge auf ihrem Hike den Lago di Endine umrundeten, begannen die anderen drei Gruppen ihren Hike mit einem Anstieg in die Berge. Die Jungpfadfinder campten dann auf der Hälfte des Monte Torezzo wild, um am nächsten Tag wieder abzusteigen. Die Rover hingegen zogen an ihnen vorbei bis zur Spitze auf ca. 1300 Metern und stiegen auf der anderen Seite wieder ab zum Lago d’Iseo, dem nächst größeren See. Die Pfadfinder gingen auch in die Berge, aber nicht so hoch hinaus, sondern wanderten am Valle del freddo (Kältetal) vorbei, um auch zum Lago d’Iseo zu kommen.
Alle Gruppen machten ihre Erfahrungen mit Land und Leuten; ob es nun ein Wild-Camping hoch auf den Bergen war oder in den Obstplantagen von wirklich gastfreundlichen Italiener: Für jeden Pfadfinder war es eine unwahrscheinlich tolle Erfahrung.
Der Besuch
Am 21.07. waren dann wieder alle auf dem Zeltplatz versammelt und bereiteten die Ankunft der Gäste vor. Es wurden zwei Bannermaste gebaut, Dosenfackeln hergestellt und der Platz aufgeräumt. Am Nachmittag war es dann so weit: Die Stammesleiterin Sarah vom Stamm Legnano 1 aus Mailand kam mit fünf weiteren Leitern (unter diesen auch Giovanni) und den beiden Rovern Martina und Saverio.Wir stellten ihnen unsere Jurte zur freien Verfügung und sie richteten sich häuslich ein.
Der Auftakt
Als Auftakt hatten wir ein paar Spiele geplant, mit denen sich beide Seiten ein wenig vorstellen sollten. Wir hatten uns für die Spiele entschieden, weil bei diesen die Sprachbarriere die wenigsten Schwierigkeiten bereiten sollte. Unsere Gruppen stellten dann ein paar ihrer Erfahrungen vom Hike vor, die sie mit den Italiener auf ihrer bisherigen Reise gemacht hatten. Die Italiener zeigten dann ihre Vorurteile über uns Deutsche, natürlich mit viel Witz und Sympathie.
Die Darstellungen waren für beide Seiten sowohl interessant als auch amüsant.
Zum Abendessen hatten wir dann ein „typisch deutsches Essen” geplant: Kartoffelpüree mit Erbsen und Bratwürstchen. Witzigerweise hatten sich die Italiener in einem ihrer Spiele auf dieses Essen bezogen, was zu allgemeiner Heiterkeit führte und das Eis war gebrochen. Während des Essens wurde also viel geredet und gelacht.
Der Abend: „One world, one promise”
Zwar war die Aktion “One world, one promise” für den 1. August angesetzt, aber wir befanden uns doch in Italien mit den italienischen Pfadfindern zusammen. Wir hatten also beschlossen, die gemeinsame Versprechenserneuerung vorzuziehen.
Wir bildeten gemischte Kleingruppen, die sich anhand von Leitfragen mit den für sie wichtigsten Aspekten des „Pfadfinder-Seins” beschäftigten. Die Ergebnisse wurden zusammengetragen, sowohl auf Deutsch als auch auf Italienisch, und so zu einem großen Versprechen zusammengestellt.
Nach der Kleingruppenarbeit erfolgte ein Ortswechsel: Wir gingen an das Ufer des Sees, wo die Bannermaste standen. Dort wurden die Banner gehisst und die Dosenfackeln entzündet – ein wirklich idyllischer Anblick. Wir bildeten einen großen Kreis und sagten gemeinsam unser neues Versprechen auf. In der Mitte des Kreises hatten wir zwei noch leere Banner ausgebreitet. Jeder anwesende Pfadfinder sollte sich mit seinem Handabdruck auf beiden verewigen als Andenken an dieses einzigartige Erlebnis.
Als die Feierlichkeit vorbei war, fielen die Jüngeren sofort in ihre Zelte – es war immerhin schon nach Mitternacht. Die Älteren fanden sich zu einer Lagerfeuerrunde zusammen und tauschten deutsches und italienisches Liedgut aus.
Das Versprechen
Wir geben hier beide Verprechen wieder, in deutscher wie auch in italienischer Sprache. Allerdings übernehmen wir keine Verantwortung für die Richtigkeit der italienischen Version. Wir haben versucht, die Handschriften korrekt zu entziffern, aber besonders im letzten Teil weist der Text einige Fehler und Lücken auf. Trotzdem wollten wir euch das Versprechen nicht vorenthalten.
Deutsch
Wir finden an Pfadfindern besonders wertvoll, dass:
- man zusammen Spaß hat.
- Freundschaften entstehen.
- jeder seine Stärken im Team einbringen kann.
- Religiosität für uns sehr wichtig ist.
- jeder seine Grenzen erreichen kann und darüber hinausgeht.
- wir immer optimistisch unseren Weg gehen.Internationale Erfahrungen finden wir wichtig, weil wir andere Pfadfinder treffen, ihr Leben und ihre Kultur kennen lernen wollen, weil im Kern der Sache alle Pfadfinder Brüder und Schwestern sind.
Die Gemeinschaft der Pfadfinder bedeutet uns:
- anderen so zu helfen als wären es gute Freunde.
- die Gemeinschaft zu leben, Freunde zu finden und mit ihnen zu lachen und zu singen auch in schwierigen Situationen.
- das Lagerleben zu leben.
- die Natur und Umwelt zu respektieren und zu schützen.Wir sind Pfadfinder, weil:
- wir Freunde finden.
- gleiche Werte haben, z. B. andere zu respektieren.
- wir neue Leute kennen lernen und unterwegs sind.
- wir Traditionen austauschen und erhalten.Wir erneuern unser Versprechen, weil:
- wir uns selbst daran erinnern wollen, unsere Versprechen nicht zu vergessen.
- wir die Dinge jetzt anders sehen als früher und wirklich daran glauben.
- wir die Versprechen ergänzen wollen, um ein einheitliches Versprechen zu erhalten.
- das Zusammensein mit anderen uns an unser Versprechen bindet und uns immer an das Versprechen erinnert.Italienisch
Il valori dello scoutismo per noi:
- divertirsi insieme.
- diventare amici.
- ognuno puó collaborare potando i propri talenti.
- crescere nella fede.
- superare i propri limiti.
- vivere con ottimismo.
C’internazionalità è importante per noi scout perchè come recita ca legge, la guida e lo scaut sono fratelli e sorelle di ogni altro scout, e, grazie alle esperienze con altri gruppi possiamo imparare a conoscere nuovi amici e nuove culture.
Il movimento scout significa noi:
- alutare gli altri come se fossero dei buoni amici.
- vivere in communità, trovere amici e [lachen] e cantore nelli difficoltà.
- vivere la viva di “campo”.
- rispettore la natura e l’ambiente.Noi vogliamo essere scout perché:
- amici.
- crediamo negli steggi valori (rispettare gli altri; conoscere nuove personi …)
- condividere le tradizioni e mantenerle.
Rinnoviamo la nostra promessa perché:
- per ricorporci di cio ciae duevamo promesso … ridimente
- perciaé ora ciae si e piu grandi si … maggior … di cio che si promette
- ascoutando ce
- recitoria di … autri fa si che essi ti divitino a rispettoruiaNach der Messe blieb auch schon nicht mehr viel Zeit bis zur Abreise unserer Gäste. Also nutzten wir diese, um noch nach der Idee von „Move to 10” uns gegenseitig Tassen zu gestalten. So erhielten wir fünf Tassen von der Leiterrunde, die in das Sammelsurium für 2010 gestellt wird.Die heilige Messe
Am Sonntag, 22.07., feierten wir gemeinsam die heilige Messe, die dank unsers Spiri-Teams und der Unterstützung unseres Kaplans sehr schön verlief.
Nach dieser Messe nutzten die italienischen Pfadfinder den Moment, um uns ihr Halstuch zu verleihen, dass in Vertretung für unseren Stamm unsere Stavöse entgegennahm.Die Andenken
Der Abschied
Es war so weit, wir mussten uns trennen. Nachdem die Italiener uns noch ein paar Spiele und Lieder mit auf den Weg gaben und wir ihnen unsere Mitbringsel, das Banner und „Move to 10” Material in die Hand gedrückt hatten, fuhren sie wieder nach Hause. Der Abschied fiel uns allen schwer und wir ließen sie auch nur mit dem Versprechen gehen, dass wir uns spätestens 2010 wieder sehen.
Die Woche mit den beiden Rovern
Glücklicherweise blieben uns aber Martina und Saverio erhalten, die sich in der zweiten Woche unseres Lagers bei allem einbrachten. Sei es in der Küche, in der sie ein italienisches Essen zauberten, oder bei den Spielen mit den Kindern, in denen sie voll aufgingen. Auch die Abende am Lagerfeuer waren ein beständiger Austausch von Liedern und Gebräuchen. Viel Zeit verbrachten sie natürlich auch mit unseren Rovern, die Nächte wurden zum Tag gemacht und Freundschaften geschlossen. Auch bei einem Besuch im Krankenhaus, weil sich eines unserer Kinder verletzt hatte, waren sie uns eine große Hilfe.
Das Ende des Lagers
Als es dann am 26.07. hieß, Abschied zu nehmen, fiel dieser uns noch schwerer als an dem Wochenende. Die beiden Jugendlichen waren schon ein Teil von uns geworden. Es wurden noch zahlreiche Abschiedsfotos geschossen, bis sie dann auch nach Hause fuhren.
Danach war es auch für uns so weit, unsere Sachen zu packen und wieder 15 Stunden mit dem Bus nach Hause zu fahren – mit viel Wehmut, aber auch Freude.
Wie geht es weiter?
Der Kontakt zur Leiterrunde (Giovanni) ist immer noch vorhanden. Er hat uns auch mitgeteilt, dass der Rest seines Stammes nun auch Feuer und Flamme für unser Projekt ist und es wurde abgestimmt, dass die nächste große Aktion der Besuch des Jamboree im Ruhrgebiet sein wird: Die ersten Gäste für 2010 stehen!
Natürlich haben wir auch Fotos etc. ausgetauscht und freuen uns, die Italiener 2010 wieder zu sehen.
Unser nächstes Stammeslager wird 2009 stattfinden – wer weiß wohin und welche Pfadfinder wir dort kennen lernen?
Die Rover überlegen außerdem, am Diözesanlager der Roverstufe teilzunehmen und auch Kontakte zu irischen Pfadfindern zu knüpfen.
Alles in allem würden wir es allen Stämmen nur empfehlen, einzusteigen und auch eine solche Erfahrung zu machen. Es ist absolut einzigartig und teilweise auch wirklich überwältigend! Damit wünschen wir allen viel Spaß, die sich diesem Abenteuer stellen.
Der Stamm Heinrich Seuse