05.09.2007 17:09:30

Hej, skauti! Grün, Sozial und weit im Osten:

Hej, skauti – begrüße den neuen Tag mit einem Lächeln auf dem Gesicht! So heißt es sinngemäß in der Hymne der slowakischen Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Das Lächeln auf das Gesicht zu zaubern war eigentlich nicht schwer während unseres zweiwöchigen Sommerlagers: meistens Temperaturen über 30 Grad, von der Sonne verwöhnt.

Der Lagerplatz: Skautské táborisko Hodruša 

Der Lagerplatz war der einzige slowakische Pfadfinderzeltplatz in der Slowakischen Republik.

Bereits in den 1920er Jahren wurde er von slowakischen Pfadfinderinnen und Pfadfindern angelegt, bevor er im 2. Weltkrieg zu einem Lager für slowakische Partisanen wurde. In den letzten Jahren des Krieges wurden dort deutsche Soldaten erschossen. Um die Erinnerungen an diese Taten aus dem Gedächtnis der Bevölkerung zu tilgen, ließen die kommunistische Behörden, die nach dem Krieg wie in vielen ost- und mitteleuropäischen Ländern die Regierung übernahmen, alle Bauten des Platzes zerstören und schlossen den Zeltplatz. Die Pfadfinder waren während des Kommunismus ohnehin verboten. Erst in den 90er Jahren wurden die Pfadfinder wieder gegründet und auch der Pfadfinderzeltplatz und das Pfadfinderhaus in Banska Stiavnica wieder eröffnet. In unzähligen Stunden freiwilliger Arbeit und auch mit Hilfe von vielen Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus ganz Europa wurden Pfadfinderhaus (Skautsky Dóm Sv Juraj) und der Zeltplatz in Hodrusa Hamre wieder in einen nutzbaren Zustand versetzt.

Kreuzweg, Museum und Lagerplatz – die Sozialprojekte

An die Traditionen der freiwilligen Arbeit wurde auch in „BeRUHR Slovensko“ angeknüpft. An zwei Tagen wurden die Trupps auf drei Arbeitsorte aufgeteilt und leisteten dort Großartiges!

Bei ca. 40 Grad Hitze wurde auf einem historischen Kreuzweg Holz geschleppt, Müll aufgesammelt und dicke Stämme zersägt. Damit die Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Scout’s House im Warmen sitzen konnten, schleppten weitere Trupps meterweise Holzscheite ins Haus. Auch die Ziegen können nun nicht mehr ausbüchsen, da der Zaun rund um das Gelände wieder repariert wurde. Im Bergbaumuseum von Banska Stiavnica haben die Besucherinnen und Besucher nun wieder einen ungehinderten Blick auf den historischen Stolleneingang des Schachtes Bartholomäus. Im Freilichtmuseum legten die freiwilligen Landschaftsarbeiterinnen und –arbeiter trotz pieksender Dornen und hartnäckiger Wurzeln das Unterholz frei. Aber auch der Zeltplatz selbst profitierte von den Sozialprojekten: Der Entwässerungskanal des Platzes war in den Jahren, in denen der Platz nicht genutzt war, ziemlich zugewachsen. Sobald es regnete, verwandelte sich die Platzmitte in einen Sumpf. Nach den zwei Tagen und gefühlten 1000 Eimern und Schubkarren mit Schlamm funktionierte der Abfluss wieder. Auch ein nach dem Krieg zerstörtes Haus aus Natursteinen konnte wieder freigelegt und mit einem professionellen Holzdach versehen werden (siehe Foto).

Auch wenn Sinn und Zweck der freiwilligen Einsätze nicht allen klar geworden sind – die slowakischen Inhaber und Kontaktleute waren hochzufrieden! Das gemeinsame Arbeiten half den Trupps, sich untereinander besser kennen zu lernen. Vor allem die Trupps, in deren Dörfern keine slowakischen Pfadfinderinnen und Pfadfinder lebten, genossen die internationale Zusammenarbeit.

Hikephase – unterwegs in der Mitte der Slowakei

Ohne Hike geht kein/e PfadfinderIn ins Lager! Und so machten sich die Trupps – teilweise mit deutsch-slowakisch gemischten Gruppen – auf, die Umgebung zu erkunden. Die niedere Tatra, das slowakische Erzgebirge und die nahe gelegene Stadt Banska Stiavnica waren die Hikeziele. Glücklicherweise kamen alle gesund und munter wieder zurück. Warum die „Pfaddis, Muddis und Luddis“ allerdings mit blauen Zungen zurückkamen, wird ihr Geheimnis bleiben.

Was noch? Programm im Lager

Mit einer internationalen Lagerolympiade, einer heiligen Messe in englischer Sprache, einem Abschlussfest, Lagerpärchen und vielen Abstechern an den nahe gelegenen Badesee wurde das Lager abgerundet.

Auch die Demokratie im Lager sollte nicht zu kurz kommen, hatte sich das Vorbereitungsteam aus dem DAK vorher gedacht. Im Lager war das Zusammenspiel zwischen DorfmoderatorInnen, Dorf- und Lagerrat aber dann doch etwas holprig.

Europäische Erkenntnisse

Unser pionierhafter „Move to Europe“ hat aber auch einige Erkenntnisse über internationale Lager gebracht, die vielleicht für spätere Trupps, die im Rahmen von Move to 10 europäische Kontakte knüpfen wollen, interessant sein können. Hier in aller Kürze:

-          Unterschätzt nicht die Vortouren – macht lieber drei als gar keine!

-          Sich selbst durch die Augen des anderen sehen ist eine unvergleichliche Erfahrung, die jede Pfadfinderin und jeder Pfadfinder mal ausprobieren sollte.

-          Das gemeinsame TUN muss im Vordergrund stehen, nicht das drüber reden.

-          Pfadfinderkulturen in anderen Ländern beinhalten Überraschungen– es gibt verschiedene Elemente, die in der DPSG unbekannt sind und daher zu Irritationen führen können

 

Aber – die Einladung für 2010 ist ausgesprochen, und wir hoffen, nicht nur unsere slowakischen Lagerpartnerinnen und –partner zum großen Move-to-10-Lager im Ruhrgebiet begrüssen zu dürfen, sondern noch viele, viele andere! Die slowakischen Pfadis planen jedenfalls schon jetzt ihre Reise – und es soll sogar schon eine Ukulele in Bratislava gesehen worden sein!

 

In diesem Sinne – Ahoj und Gut Pfad!